20.03.2025

Konsortialtreffen in Tübingen vom 19. bis 20. März 2025: Szenarioarbeit im Schloss Hohentübingen

Am 19. und 20. März 2025 kamen die Projektpartner zum jährlichen Konsortialtreffen an der Universität Tübingen zusammen. Tagungsort war das Schloss Hohentübingen - in dem dortigen Fürstensaal - ausgerichtet durch unseren Projektpartner IZEW. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer Professorin Dr. Jessica Heesen, Professor Dr. Daniel J. Veit, Dr. Simon D. Hirsbrunner, Jana Hecktor, Burak Esen, Verena Kessler Verzar und Julia T. Fuchs vereinten sich in Tübingen mit der weitesten Anreise sogar aus UK, London.

Inhaltlicher Fokus: „KI als digitaler Akteur“ (2030) als Leit-Szenario

Im Zentrum standen die inhaltlichen Arbeiten am Szenario „KI als digitaler Akteur“. Ausgangspunkt ist eine digitale Welt im Jahr 2030, in der generative und agentenbasierte KI-Systeme die Wissensproduktion, Verbreitung und datenbasierte Wertschöpfung prägen. Inhalte stammen immer seltener unmittelbar von Menschen, sondern werden von KI-Systemen erstellt, verarbeitet und weitergegeben.

Charakteristisch ist hierbei eine zweischichtige digitale Realität:

  • eine menschzentrierte Oberfläche hybrider Inhalte und Steuerungselemente sowie
  • ein deutlich größerer, überwiegend autonom operierender Unterbau vernetzter agentischer Systeme.

Ein zentrales Motiv des Szenarios ist zudem die Verschiebung der Datenerzeugung: Nutzende geben Informationen nicht mehr primär bewusst über Formulare oder klassische Social-Media-Mechanismen preis, sondern hinterlassen Datenspuren zunehmend automatisch und indirekt – etwa durch Interaktionen mit smarten Assistenten, Empfehlungssystemen oder personalisierten Services.

Konkretisierung entlang typischer Anwendungsfelder

Um das Szenario greifbar zu machen, haben wir es entlang prototypischer Entwicklungen verdichtet, unter anderem:

  • Automatisierte Content-Produktion (z. B. Marketingtexte, Produktbeschreibungen, Social-Media-Beiträge bis hin zu Pressemitteilungen „auf Knopfdruck“).
  • Hochgradige Personalisierung in Echtzeit, die Verhalten, Präferenzen und teils sogar situative Zustände der Nutzenden einbezieht (vom Einkaufserlebnis bis zur individualisierten Beratung).
  • Synthetische Inhaltsökonomie: Systeme lernen zunehmend mit synthetischen Inhalten, die wiederum durch KI generiert oder modifiziert wurden - mit Folgen für Datenqualität, Vertrauenswürdigkeit und die Unterscheidbarkeit von „echt“/„synthetisch“.
  • Human-in-the-Loop als punktueller Eingriff: Menschliche Interventionen erfolgen vor allem dort, wo sensible Entscheidungen anstehen und „Alignment“ auf menschliche Ziele/Werte gesichert werden soll.

Flankierend haben wir auch die ambivalente gesellschaftliche Seite des Szenarios herausgearbeitet: niedrigschwelliger Zugang zu Wissen und Dienstleistungen einerseits, zugleich aber Risiken einer schleichenden Erosion digitaler Selbstbestimmung und wachsender Intransparenz.

Fazit und Ausblick

Für den weiteren Projektverlauf ist hiermit eine zweifache Wirkung erreicht: Erstens liegt nun ein gemeinsamer, stabiler Szenario-Kern vor, auf den sich die nachfolgenden Arbeitsschritte beziehen können. Zweitens ist die Grundlage geschaffen, die anstehende Stakeholder-Beteiligung methodisch kontrolliert zu gestalten. Externe Perspektiven können gezielt an einem konsistenten Szenario andocken, wodurch Diskussionen entlang konkreter Annahmen und Gestaltungsoptionen strukturiert werden.

Schließlich hat das Treffen auch gezeigt, dass Szenarioarbeit nicht lediglich ein Kommunikationsformat ist, sondern vielmehr eine Form der Forschungs- und Projektintegration: Sie zwingt zur expliziten Modellierung zentraler Entwicklungen, macht implizite Prämissen überprüfbar und schafft hierdurch eine belastbare Basis, um im weiteren Verlauf sowohl wissenschaftlich als auch praxisorientiert anschlussfähige Ergebnisse zu erzielen. Diese anschlussfähigen Ergebnisse sollen in einem Workshop im Februar 2026 mit Stakeholdern aus allen Disziplinen erarbeitet werden.